100-Tage-Bilanz

  • 06.04.2009
  • Köln/Berlin

Zum 1. Januar 2009 wechselte der Aufsichtsratsvorsitzende der g.e.b.b: Nachfolger des bisherigen Vorsitzenden, Bundesminister a.D. Werner Müller, wurde Nikolaus Schweickart, der unter anderem als Professor an der Universität Frankfurt am Main Corporate Governance und Unternehmensethik lehrt. aktuell - Zeitung für die Bundeswehr befragte den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden zu seiner 100-Tage-Bilanz. gebb.de dokumentiert das Interview, das am 6. April 2009 erschienen ist.

Peter Wichert (Gesellschafter BMVg), Rüdiger Wolf (BMVg), Werner Gatzer (BMF), Nikolaus Schweickart, Martin Rüttler (GF), Werner Heinzmann, Wolfgang Schneiderhan (v.l.)
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Peter Wichert (Gesellschafter BMVg), Rüdiger Wolf (BMVg), Werner Gatzer (BMF), Nikolaus Schweickart, Martin Rüttler (GF), Werner Heinzmann, Wolfgang Schneiderhan (v.l.)

Soeben ging die erste Aufsichtsratsitzung unter Ihrer Leitung zu Ende. Was sind Ihre Eindrücke?

Ich erlebe eine intensive Arbeit im Prozess der Modernisierung. Und ich sehe, dass diese Modernisierung notwendig ist und dass sie gewollt ist. Sie leitet sich unmittelbar aus dem Transformationsprozess der Bundeswehr ab und hat eine hohe Priorität.

Welche Schwerpunkte setzen Sie für die Arbeit der g.e.b.b?

Schwerpunkte haben wesentlichen Einfluss auf die Gravitation des Ganzen. Deshalb ist das Wichtigste ein stabiles, belastbares Fundament. Dieses Fundament heißt für mich: Gute Partnerschaft. Die g.e.b.b. ist ein Teil der Bundeswehr. So muss sie sich selbst sehen und entsprechend handeln. Und so muss sie auch von der Bundeswehr gesehen und entsprechend behandelt werden.

Wo sehen Sie die Ziele der Modernisierung?

Modernisierung hat mehrere Dimensionen. Zunächst einmal geht es um die wirtschaftliche Modernisierung. Also durch Neuorganisation und modernes Management Einsparungen erzielen. Heute heißt Modernisierung aber auch, aktuelle gesellschaftliche Fragen aufzugreifen und als Bundeswehr zeitgemäße Antworten geben. So ist zum Beispiel die Verbesserung der Vereinbarkeit von Dienst und Familie eine wesentliche Aufgabe der Modernisierung, wie ich sie sehe. Daran arbeitet die g.e.b.b. ganz gezielt und partnerschaftlich mit den Führungsstäben und Fachreferaten der Bundeswehr. Denn die Bundeswehr steht im Wettbewerb um die besten Köpfe in diesem Land.

Nikolaus Schweickart, Martin Rüttler
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Nikolaus Schweickart, Martin Rüttler

Woran arbeitet die g.e.b.b. derzeit noch?

Es gibt eine Vielzahl von Aufgaben mit Optimierungspotenzial, die derzeit in der g.e.b.b. bearbeitet werden - von ganz großen Brocken wie der Modernisierung der Basis-Logistik und des Immobilienmanagements über die Verbesserung der Ausbildung und der Steuerungs- und Controllingsysteme bis hin zu kleineren, aber zunehmend wichtiger werdenden Aufgaben wie beispielsweise der Nutzung von Erneuerbaren Energien. Daneben gibt es noch eine größer werdende Zahl von Ad-hoc-Beauftragungen auf den unterschiedlichsten Feldern. Ich halte das für eine gute Entwicklung und für ein positives Zeichen. Zeigt es doch, dass die Expertise der g.e.b.b. gefragt ist.

Was ist Ihr Erfolgsrezept für die g.e.b.b?

Auf einen ganz einfachen Nenner gebracht: Beratung in Verantwortung. Das bedeutet: Nicht nur sagen, wie's besser gehen könnte, sondern auch besser machen. Also gerade stehen für die Umsetzung der eigenen Vorschläge. Verantwortung übernehmen. Aus meiner Sicht gibt es nicht den einen einzigen Königsweg der wirtschaftlichen Modernisierung. Viele Wege führen zum Ziel. Das kann der Weg der Eigenoptimierung, die Kooperation mit der Wirtschaft oder auch die Vollprivatisierung sein. Entscheidend sind Wirtschaftlichkeit und Durchführbarkeit. Und zwar unter den Bedingungen jedes Einzelfalls.

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Jahrzehntelang waren Sie ein erfolgreicher Konzernlenker, heute sind Sie Professor für Corporate Governance - was ist Ihr Rat an die Bundeswehr?

Reformbereitschaft, Handeln nach ethischen und sozialverpflichteten Maßstäben sind Grundsätze einer guten Unternehmensführung. Sie spiegeln sich auch wider in den Grundsätzen der Inneren Führung der Bundeswehr - sie sollten ergänzt werden um wirtschaftliches Denken und Handeln.

Abschließend eine Frage zu Ihrer Person. Welche Beziehung haben Sie zur Bundeswehr?

Ich hatte schon immer ein sehr großes Interesse an der Bundeswehr. Nach dem Abitur suchte ich eine Herausforderung und habe mich für zwei Jahre als Soldat auf Zeit verpflichtet. Während des Studiums absolvierte ich dann als Oberleutnant d. R. mehrere Wehrübungen im BMVg in Bonn. Ich hätte mir meinen Lebensweg auch als Soldat vorstellen können. Mein Traum war die Marine, U-Bootfahrer. Aber ich lag drei Zentimeter über der maximalen Körpergröße von einem Meter fünfundachtzig.

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