Mit dem Ziel, den Austausch zwischen Bundeswehr und Privatwirtschaft auch weiterhin zu stärken, fand am 19. und 20. Januar 2010 das DWT-Symposium "Perspektiven der Verteidigungswirtschaft" in Bonn statt. Diskutiert wurden dabei insbesondere mögliche Formen, Felder und Kriterien für Kooperationen zwischen Streitkräften und Unternehmen. Mit auf dem Podium: Die g.e.b.b.
"Wie machen wir die Bundeswehr modern?" war der Titel einer Podiumsdiskussion, die von Brigadegeneral Dr. Ansgar Rieks, Abteilung Modernisierung des Bundesministeriums der
Verteidigung, moderiert wurde. Neben weiteren Vertretern des Verteidigungsministeriums und der Wirtschaft zählte auch Dr. Martin Rüttler, Geschäftsführer der g.e.b.b., zu
den Experten, die sich nach einleitenden Impulsvorträgen den Fragen der Teilnehmer stellten.
Beherrschendes Thema war die Frage, welches die grundsätzlichen Stellgrößen für eine erfolgreiche Modernisierung und gelungene Kooperationen sind. In der Diskussion wurden
verschiedene Faktoren deutlich: Zum einen könne das Thema insgesamt nicht losgelöst von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und von politischen Vorgaben betrachtet werden. Die Situation
der öffentlichen Haushalte zwänge die Akteure zu einem besonderem Augenmaß und zu einer Priorisierung von Projekten.
Zum anderen müssten die Erfahrungen aus bereits realisierten Modernisierungsprojekten - sowohl aus Optimierten Eigenmodellen der Bundeswehr als auch aus Kooperationen mit der gewerblichen
Wirtschaft - direkt in die Konzeption neuer Vorhaben einfließen. In diesem Zusammenhang wies Dr. Rüttler auf drei aus seiner Sicht entscheidende Kriterien hin: Leistungssicherheit,
Wirtschaftlichkeit und Flexibilität.
"Leistungssicherheit ist das klassische Ziel der Bedarfsdeckung der Streitkräfte zur Sicherstellung der Einsatzfähigkeit der Bundeswehr", so Dr. Rüttler. "Diese gilt es weiterhin ohne Einschränkungen zu gewährleisten. Zunehmend wichtiger ist aber auch der Aspekt der Wirtschaftlichkeit. Nur höchstmögliche Wirtschaftlichkeit bei der Bedarfsdeckung kann die so dringend benötigten finanziellen Spielräume für die Transformation der Streitkräfte schaffen. Objektiv nachweisbare Wirtschaftlichkeit ist daher kein betriebswirtschaftlicher Selbstzweck, sondern Mittel zum Ziel. Ausdrücklich betone ich: Objektiv nachweisbare Wirtschaftlichkeit und damit hohe Transparenz ist nicht nur bei kooperativen Modellen Pflicht, sondern auch in den Bundeswehr-internen Prozessen. Als drittes wesentliches Kriterium wird eine angemessene und aufwachsende Flexibilität der gewählten Lösungsansätze immer wichtiger. Die Bundeswehr muss schneller auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren können. Das bedeutet aber auch den entsprechenden Zuschnitt von Verträgen und Regelwerken."
Einigkeit bestand bei allen Beteiligten darin, dass die Prozesse beschleunigt werden müssten. Der Bundeswehr diene dies auf zwei Wegen: Auf der einen Seite steigere eine schnellere Realisierung von Modernisierungsprojekte und deren Transparenz die Akzeptanz solcher Vorhaben. Auf der anderen Seite könne sie so zügiger auf optimierte Verfahren und Ressourcen insbesondere für den Einsatz zurückgreifen. Eine Beschleunigung diene aber auch der Wirtschaft, die so mehr Planungssicherheit erhalte und ihre Angebote noch stärker präzisieren könne. Ein Wirtschaftsvertreter brachte diesen Umstand auf den Punkt: "Wir leben nicht von Interessenbekundungsverfahren, sondern von Aufträgen."